serendipity gallery
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fluchtPunkT.
 


vom 21. März - 28. April 2013

mit Arbeiten von

Ingo Albrand
Hannah Becher
Cecile Coiffard
Dondestan
Kevin Gray
Astrid Hanka
Thomas Hillig
Solveig Janetzke
Anders Kamp
Hans Könings
Grit Lindau
Roland Manzke
Valentina Murabito
Sam Oht
Sankt Pauli
Taschari Pipri
Richard Rabensaat
Irina Rosanowski
Hännes Bernd Stark
Markus Thormann
Kim Wegner
Zettelmann

Von wo aus betrachtet man die Umgebung? Hat man ein Ziel vor Augen oder die Angst im Nacken, während man sich fortbewegt? Auf allen Seiten sind die Begrenzungen dominant, wollen den Blick, die Handlungen, den Schritt und Lauf der Welt in diese eine Richtung lenken. Die Klarheit der Vorgabe erwirkt Orientierung.
Wohin flüchten wir, wenn sich alles immer um die gleichen Zwänge, Paradigmen und Banalitäten dreht?...

Eine Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs - Burn-Out in Großraumbüros, Ausbeutung in Lagerhäusern von Internetversandhändlern, geschätzte 70.000 Mitbürger „Sans-Papiers“ in der Hauptstadt, 25 Prozent mehr Menschen im vergangen Jahr, die in der ärztlichen Behandlungsstelle für Nicht-Versicherte Hilfe in der Not suchen.
Gibt es einen Fluchtpunkt, eine Perspektive, die heraus führt aus Konsumrausch und zynischer Bloßstellung des Individuums in Belustigungsformen à la Dschungelcamp?

Der friedliche Traum einer Generation von Blumenkindern vermochte es, den Krieg in Vietnam zu stoppen. Den Kalten Krieg allerdings entschied die von Rationalität und Kalkül voran getriebene Warenproduktion eines von jeder Sentimentalität unbefleckten Gesellschaftssystems. Das kreiert immer neue und sinnlosere Konsumgüter, besoffen von seiner eigenen Effizienz. Das Status Symbol IPad, die Loft-Wohnung in Berlin Mitte, das Kind, das mit acht Jahren mit selbst komponiertem und gespieltem Konzertstück seine Aufnahmeprüfung auf dem musikbetonten Gymnasium besteht. Medien und Massenproduktion signalisieren: den Wert des Menschen regelt der Status und seine monetäre gestützte Verfügbarkeit.

Die Zeiten visionärer Utopien scheinen vorbei, Pragmatismus regiert. Aber vielleicht gibt es doch kleine Fluchten, Fluchtpunkte, abseits des normierten Regelurlaubs. Gesellschaftssegmente, die Blicke auf gemeinschaftliches Miteinander erproben, ohne Zwang, ohne Norm, geleitet von dem Wunsch nach friedlicher Koexistenz. Ein Miteinander das den anderen nicht verdrängt, die Andersartigkeit des Gegenüber respektiert und sich abseits von Hochglanz-Feierlichkeiten bewegt. Viele haben die Suche nach dem Fluchtpunkt aufgegeben, aber Zabriski Point existiert nicht nur auf Zelluloid in der Wüste.

Abseits der Utopie prägen Fluchtpunkt und Perspektive als gestalterisches Moment mittlerweile rund sechs Jahrhunderte zweidimensionaler Bilderproduktion. Mit aktuellen Animationen erwächst der flachen Bilderdarstellung gegenwärtig eine dritte Dimension. Die technische Bezugnahme auf den „Fluchtpunkt“ ermöglicht die Erschaffung und Vermessung neuer künstlicher und künstlerischer Welten.



fotos: pipri